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Jojo-Effekt ab 40: Ist wirklich die Steinzeit schuld?

Von Sonja | Wohlfühlfigur 40+

Wie oft habe ich schon nach einer knallharten Diät vor dem Spiegel gestanden und gedacht:

Das kann doch jetzt nicht wahr sein.

Wochenlang zusammengerissen. Weniger gegessen. Auf alles Mögliche verzichtet. Endlich geschafft: ein paar Kilos sind runter.

Und kaum kehrt wieder so etwas wie Normalität beim Essen ein, sind die verlorenen Kilos zurück.

Manchmal sogar mit zusätzlicher Verstärkung.

Vielleicht kennst du auch diese Erklärung dafür:

Wenn wir während einer Diät zu wenig essen, glaubt unser Körper, eine Hungersnot sei ausgebrochen. Also schaltet er in den Überlebensmodus. Und sobald wieder mehr Nahrung verfügbar ist, wird vorsichtshalber jedes Gramm Fett gebunkert.

Für schlechte Zeiten.

Das Erbe unserer Vorfahren. Die konnten schließlich nicht mal eben zum Supermarkt fahren, wenn der „Kühlschrank leer war“. Niemand wusste genau, wann es wieder etwas zu essen gab – oder wann das nächste Mammut vorbeikam.

Fettreserven waren deshalb so etwas wie ihre Lebensversicherung. Energie für schlechte Zeiten.

Klingt irgendwie logisch, oder?

Stimmt nur so nicht ganz.

Denn den einen geheimnisvollen „Hungersnot-Schalter“, der während einer Diät umgelegt wird und anschließend jedes Stück Kuchen vorsorglich als Fettreserve einlagert, gibt es nicht.

Was hinter dem Jojo-Effekt steckt, ist weniger spektakulär.

Aber gerade für uns Frauen ab 40 sehr interessant.

Was beim Jojo-Effekt wirklich passiert

Fangen wir mit etwas ganz Einfachem an.

Wenn wir abnehmen, werden wir leichter. Und ein leichterer Mensch braucht weniger Energie als vorher.

Nach dem Abnehmen verbrauchen wir also weniger Kalorien als mit unserem höheren Ausgangsgewicht.

Ganz unspektakulär – aber für den Jojo-Effekt wichtig.

Bei einer strengen Diät kommt noch etwas hinzu: Wir verlieren nicht nur Körperfett. Gerade bei einem starken Kaloriendefizit geht auch wertvolle Muskelmasse verloren.

Und Muskeln sind nicht nur dafür da, dass wir unsere Einkaufstaschen auch ohne Aufzug in den dritten Stock bekommen.

Muskelgewebe benötigt Energie – auch in Ruhe.

Weniger Muskelmasse bedeutet deshalb auch: Unser täglicher Energiebedarf sinkt.

Bis hierhin ist die Rechnung also ziemlich einfach:

Wir wiegen weniger und brauchen dadurch weniger Energie. Verlieren wir zusätzlich Muskeln, sinkt unser Energiebedarf weiter.

Aber damit ist noch nicht Schluss.

Unser Stoffwechsel passt sich an.

Essen wir über längere Zeit deutlich weniger, stellt sich unser Stoffwechsel auf die geringere Energiezufuhr ein und arbeitet sparsamer.

Diese Reaktion nennt man metabolische Anpassung.

Und damit sind wir tatsächlich wieder ein kleines Stück bei unserer „Hungersnot-Erklärung“.

Unser Organismus ist darauf eingerichtet, auf längere Phasen mit wenig Nahrung zu reagieren und Energie zu sparen.

Nur einen geheimnisvollen Hungersnot-Schalter, der anschließend jedes Stück Kuchen automatisch auf die Hüften verfrachtet, gibt es nicht.

Und was wir hier ebenfalls erwähnen müssen: den Heißhunger

Wer über längere Zeit sehr wenig gegessen hat, kennt wahrscheinlich diesen Moment: Die Diät ist vorbei – und plötzlich meldet sich der Heißhunger auf „Verbotenes“ mit voller Wucht zurück.

Nach Wochen voller Verzicht erscheinen ausgerechnet die Lebensmittel besonders verlockend, auf die wir die ganze Zeit mit eiserner Disziplin verzichtet hatten.

Und dann treffen zwei Dinge aufeinander:

Wir benötigen nach dem Gewichtsverlust weniger Energie als vorher. Gleichzeitig wird es immer schwerer, die strenge Diät weiter durchzuhalten.

Nicht selten entsteht der Jojo-Effekt dann, wenn wir aus „Heute gönne ich mir mal wieder was!“ den Grund machen, gleich sämtliche guten Vorsätze über Bord zu werfen.

Was genau verändert sich ab 40?

Mit zunehmendem Alter wird es immer wichtiger, unsere Muskelmasse zu erhalten. Rund um die Wechseljahre verändern sich außerdem Körperzusammensetzung und Fettverteilung.

Eigentlich wären das schon gute Gründe, besonders vernünftig mit unserem Körper umzugehen.

Und was machen wir häufig, wenn die Waage wieder mal nach oben geht?

Wir essen noch weniger.

Manchmal so wenig, dass eine vernünftige Versorgung mit Energie, Protein und anderen wichtigen Nährstoffen immer schwieriger wird.

Dabei wollen wir ja nicht einfach nur möglichst schnell Gewicht verlieren.

Wir wollen Körperfett verlieren – und unsere Muskeln möglichst behalten.

Dafür brauchen wir keine Hungerkur, sondern eine vernünftige Strategie: ausreichend Protein, einen Trainingsreiz für unsere Muskeln – und ein Kaloriendefizit, das ordentliche Mahlzeiten mit einbezieht.

Denn zwischen bewusst weniger essen und so wenig wie möglich zu essen liegt ein gewaltiger Unterschied.

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Kennst du diesen Diät-Teufelskreis?

Montag.

Diesmal aber wirklich.

Wir essen deutlich weniger. Die Waage reagiert. Die ersten Kilos verschwinden und die Motivation könnte kaum besser sein.

Dann wird es anstrengend.

Einladungen.

Wochenende.

Urlaub.

Alltag.

Irgendwann haben wir schlicht keine Lust mehr, ständig darüber nachzudenken, was wir essen dürfen und was nicht.

Die Diät ist vergessen, und wir dürfen ENDLICH wieder am normalen Leben teilnehmen.

Und still und leise schleichen sich die alten Gewohnheiten wieder ein. Das Gewicht steigt.

Und was denken wir?

Ich habe es schon wieder nicht geschafft.

Also starten wir ein paar Wochen später die nächste Diät.

Diesmal noch konsequenter.

Noch weniger essen.

Noch mehr zusammenreißen.

Noch ein Montag.

Wir kennen fast alle diesen Teufelskreis.

Das Problem ist selten mangelndes Wissen. Die meisten von uns wissen ziemlich genau, dass Gemüse eine bessere Wahl für Gesundheit und Wohlfühlfigur ist als ein Stück Sahnetorte oder die Tüte Chips.

Das eigentliche Problem ist ein System, das nur funktioniert, solange wir bereit sind, konsequent auf Genuss zu verzichten.

Kein Kuchen. Keine Pizza. Kein Essen einfach nur, weil es uns schmeckt.

Eine Zeit lang bekommen wir das vielleicht hin.

Aber irgendwann haben wir genug von diesen Einschränkungen. Wir wollen wieder leben, essen und genießen, ohne ständig darüber nachzudenken.

Und genau hier beginnt häufig der Jojo-Effekt: Wir kehren zu unseren alten Essgewohnheiten zurück – aber unser Energiebedarf ist nach dem Gewichtsverlust niedriger als vorher.

Schneller als uns lieb ist, kehren die verlorenen Kilos zurück – oft mit Verstärkung.

Was hilft gegen den Jojo-Effekt?

NICHT die nächste Wunderdiät.

Sondern ein Plan, der auch dann noch funktioniert, wenn die anfängliche Euphorie längst verschwunden ist.

1. Abnehmen ist kein Wettlauf

Zehn Kilo in sechs Wochen klingt natürlich spektakulärer als langsamer Fettverlust.

Nur: Wir wollen nicht einfach möglichst schnell Gewicht verlieren.

Wir wollen Körperfett verlieren.

Und das braucht Zeit.

Ein Kilogramm Körperfett entspricht grob einem Energiedefizit von etwa 7.000 Kilokalorien.

Diese Zahl ist ein Richtwert, denn unser Organismus hält sich nicht an starre Rechenformeln.

Wichtig zu wissen ist: Wenn die Waage bei einer Radikaldiät schnell mehrere Kilo weniger anzeigt, ist längst nicht alles davon Körperfett.

Gerade am Anfang verlieren wir auch Wasser. Bei sehr strengen Diäten geht außerdem leichter Muskelmasse verloren.

Schneller Gewichtsverlust ist also nicht automatisch schneller Fettverlust.

Was wir stattdessen brauchen?

Etwas Geduld und eine schlaue Strategie. Eine, die in unseren Alltag passt und bei der wir nicht nach ein paar Wochen völlig entnervt das Handtuch werfen.

Mit einem moderaten Kaloriendefizit dauert es zwar länger, die ungeliebten Fettpolster loszuwerden. Dafür lässt es sich wesentlich besser durchhalten als eine Hungerkur – auf eine Weise, mit der wir tatsächlich leben können, statt anschließend erst mal eine Pause vom Abnehmen zu brauchen.

Denn genau diese Pause ist es, in der der Jojo-Effekt so gerne zuschlägt.

2. Behalte deine Muskeln im Blick

Keine Sorge. Du musst dich ab morgen nicht als Bodybuilderin beweisen.

Aber Krafttraining wird mit zunehmendem Alter wichtiger.

Schon zwei bis drei kurze Krafttrainingseinheiten pro Woche sind ein guter Anfang, um deinen Muskeln regelmäßig einen Grund zu geben, zu bleiben.

Und ausreichend Protein gehört ebenfalls dazu.

Das Ziel lautet schließlich nicht:

Hauptsache möglichst wenig wiegen.

Die Zahl auf der Waage allein sagt schließlich nicht, ob wir hauptsächlich Körperfett oder auch wertvolle Muskelmasse verloren haben.

Wir möchten überschüssiges Körperfett verlieren und gleichzeitig unsere Muskeln behalten und stärken.

Dann kann deine Jeans wieder top sitzen, obwohl sich auf der Waage viel weniger getan hat, als du ursprünglich erwartet hattest.

3. Iss dich vernünftig satt

Ein Diättag, der morgens mit zwei Reiswaffeln beginnt, mittags mit einer Tasse Suppe weitergeht und nachmittags nur noch von eiserner Disziplin zusammengehalten wird, hat ein Problem:

Irgendwann kommt der Hunger.

Deshalb gehören leckere und sättigende Mahlzeiten für mich zu einer vernünftigen Abnehmstrategie.

Hähnchen mit Ofengemüse und Kartoffeln. Fisch mit Reis und knackigem Gemüse. Oder eine große Gemüsepfanne mit Feta.

Und wenn mich der Hunger auf etwas Süßes erwischt? Hüttenkäse mit Beeren und etwas Vanille-Proteinpulver. Cremig, süß – und richtig lecker.

Kein kulinarisches Straflager.

Denn Essen soll uns nicht nur irgendwie bis zum nächsten Tag am Leben halten. Es darf schmecken. Es darf satt machen. Und es darf trotzdem zu unserem Ziel passen.

Essen ist Genuss.

Eine Ernährungsweise, bei der wir permanent darauf warten, endlich wieder „normal“ essen zu dürfen, hat ihr Ablaufdatum praktisch schon eingebaut.

Sättigender Teller mit Gemüse, Protein und sättigender Beilage

Du kennst den Heißhunger am Nachmittag nur zu gut? Hier erfährst du, warum er kommt und was wirklich hilft.

4. Hab keine Angst vor einem Stillstand auf der Waage

Die Waage bewegt sich drei Tage nicht.

Oder eine Woche.

Und sofort kommt dieser Gedanke:

Ich muss weniger essen.

Nicht unbedingt.

Unser Gewicht schwankt ganz selbstverständlich. Wasserhaushalt, Verdauung, Salz, Zyklus und andere Faktoren können auf der Waage kurzfristig einiges veranstalten.

Drei Tage Stillstand bedeuten deshalb nicht, dass wir kein Körperfett verlieren.

Also nicht bei jedem Stillstand hektisch die Portionen halbieren.

5. Plane ein Leben nach der Diät

Das ist für mich der entscheidende Punkt.

Wenn du heute etwas tust, um abzunehmen, stell dir eine Frage:

Will und kann ich das auch in einem Jahr noch machen?

Wenn die Antwort ein klares Nein ist, taugt die Methode wahrscheinlich nicht für eine dauerhafte Veränderung.

Der Jojo-Effekt ist kein persönliches Versagen.

Oft ist er die Folge einer Diät, die auf Dauer einfach zu viel Verzicht verlangt.

Denn irgendwann ist die Diät vorbei.

Unser Alltag bleibt.

Und genau deshalb interessiert mich weniger, wie diszipliniert wir eine Diät sechs oder acht Wochen durchhalten.

Viel wichtiger ist die Frage, ob wir danach immer noch so essen und leben können – ohne ständig das Gefühl zu haben, auf irgendetwas zu verzichten.

Keine Hungerkur. Kein ewiges Kalorienzählen. Kein schlechtes Gewissen, weil wir am Sonntag Kuchen gegessen haben.

Sondern Mahlzeiten, die satt machen. Genug Eiweiß. Muskeln, die regelmäßig etwas zu tun bekommen. Und genug Platz für die Dinge, die einfach dazugehören.

Denn wenn wir unsere Ernährung nur mit zusammengebissenen Zähnen durchhalten, haben wir nichts gewonnen.

Wir brauchen keine Ernährung, von der wir irgendwann wieder wegwollen.

Wir brauchen eine, mit der wir gern weitermachen.

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