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Abnehmen in den Wechseljahren: Was wirklich funktioniert

Von Sonja | Wohlfühlfigur 40+

Ich sage es gleich vorweg: Diesen Artikel hätte ich mit 35 nicht schreiben können.

Da dachte ich noch, Abnehmen sei vor allem eine Frage der Kalorien. Weniger rein, mehr raus, fertig.

Mit 50 lache ich über diese Rechnung.

Nicht bitter. Eher so, wie man über ein altes Foto lacht, auf dem man hautenge Leggings mit Leo-Print trug und dachte: Cooler geht’s nicht.

Die Wechseljahre haben meine Beziehung zu meinem Körper neu verhandelt – ohne mich zu fragen.

Plötzlich sitzt das Fett bevorzugt dort, wo wir es am wenigsten gebrauchen können. Die Jeans kneift am Bund. Nach einer schlechten Nacht könnte das Glas Nutella auch direkt neben dem Bett stehen – so unmittelbar meldet sich der Heißhunger, kaum dass man die Augen aufschlägt.

Und die Methoden, mit denen früher zwei oder drei Kilo ziemlich schnell wieder verschwunden waren, funktionieren längst nicht mehr so zuverlässig.

Also einfach noch weniger essen?

Bitte nicht.

Abnehmen in den Wechseljahren funktioniert.

Aber es lohnt sich, ein paar Dinge anders zu machen als mit 25 oder 30.

Und genau darum geht es hier.

Der Bauch, der plötzlich mitreden will

Erst kommt vielleicht die Hitzewallung.

Und irgendwann stellen wir fest: Da hat sich noch jemand ungefragt einquartiert.

Der Bauch.

Während und nach der Menopause verändert sich bei vielen Frauen die Fettverteilung. Sinkende Östrogenspiegel spielen dabei eine Rolle: Fett lagert sich häufiger in der Körpermitte und teilweise auch tiefer im Bauchraum ab. Gleichzeitig verlieren wir mit zunehmendem Alter leichter Muskelmasse.

Für eine Gewichtszunahme spielt weiterhin unsere Energiebilanz eine entscheidende Rolle. Aber die Bedingungen verändern sich: weniger Muskelmasse, häufig weniger Bewegung im Alltag, schlechterer Schlaf und unsere Essgewohnheiten machen einen Unterschied.

Deshalb lautet die Lösung nicht:

„Dann esse ich eben noch weniger.“

Sondern:

Wir sorgen dafür, dass unser Körper beim Abnehmen bekommt, was er jetzt besonders gut gebrauchen kann.

1. Unser neues Motto: Nicht weniger essen. Sondern besser essen.

Das klingt zunächst wie ein hübscher Spruch fürs Küchenhandtuch.

Ist aber ziemlich praktisch.

Denn natürlich müssen wir über längere Zeit weniger Energie aufnehmen, als wir verbrauchen, wenn wir Körperfett verlieren möchten.

Die entscheidende Frage lautet nur:

Wie schaffen wir das, ohne den ganzen Tag mit knurrendem Magen durch die Gegend zu laufen?

Stell dir zwei Mittagessen vor.

Auf Teller Nummer eins liegen ein paar Nudeln mit Tomatensoße.

Auf Teller Nummer zwei liegen ebenfalls Nudeln – aber dazu eine große Portion Gemüse und beispielsweise Hähnchen, Tofu, Linsen oder Fisch.

Der zweite Teller kann größer aussehen und deutlich besser sättigen.

Genau das ist für mich der entscheidende Unterschied zwischen weniger essen und besser essen.

Wir wollen möglichst kein kleines Mittagessen.

Wir wollen eine Mahlzeit, nach der wir nicht zwei Stunden später vor dem Küchenschrank stehen und uns fragen, wo eigentlich die Schokolade geblieben ist.

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2. Eiweiß ist jetzt wirklich wichtig

Ich habe bei „mehr Protein“ lange an Bodybuilder gedacht, die mit einem riesigen Shaker durch die Muckibude laufen.

Dabei ist Eiweiß gerade für Frauen ab 40 wichtig.

Denn beim Abnehmen wollen wir Körperfett verlieren und möglichst viel Muskelmasse behalten.

Und dafür braucht unser Körper ausreichend Eiweiß.

Dafür müssen wir aber weder von morgens bis abends Proteinshakes trinken noch jedes Lebensmittel nach seinem Eiweißgehalt beurteilen.

Eier, Skyr, Quark, Hüttenkäse, Fisch, mageres Fleisch, Tofu, Linsen, Bohnen oder andere Hülsenfrüchte liefern Eiweiß und lassen sich problemlos in normale Mahlzeiten einbauen.

Und Proteinpulver? Das kann praktisch sein, muss aber nicht im Shaker landen. Ein Löffel Vanille-Proteinpulver macht beispielsweise Quark oder Skyr gleichzeitig süßer und eiweißreicher.

Mein einfachster Grundsatz: Zu jeder Hauptmahlzeit gehört eine erkennbare Eiweißquelle.

Also nicht drei Salatblätter mit einer einsamen Tomate zum Mittagessen.

Sondern beispielsweise ein großer Salat mit Hähnchen, Ei oder Hülsenfrüchten und einer sättigenden Beilage.

Das ist Essen.

Der Rest ist Dekoration.

3. Unsere Muskeln dürfen bleiben

Wenn wir Gewicht verlieren, kann unser Körper neben Fett auch Muskelmasse abbauen.

Und genau das möchten wir möglichst verhindern.

Denn Muskeln sind nicht nur irgendein Stoffwechselargument.

Wir brauchen sie, um kräftig und fit zu bleiben – und auch mit 70 noch problemlos die Treppe hochzukommen.

Und die gute Nachricht: Krafttraining funktioniert auch im höheren Alter.

Wenn du bisher keine Erfahrung damit hast, kannst du beispielsweise mit 20 bis 30 Minuten zwei- bis dreimal pro Woche anfangen.

Krafttraining stärkt Muskeln und Knochen. Gerade nach der Menopause ist das wichtig, weil mit sinkendem Östrogenspiegel auch das Osteoporoserisiko steigt.

Kniebeugen am Stuhl, Übungen mit Widerstandsbändern, Hanteln oder dem eigenen Körpergewicht sind ein guter Anfang.

Wichtig ist nicht, dass du dich beim ersten Training völlig verausgabst.

Wichtig ist, dass deine Muskeln regelmäßig etwas zu tun bekommen.

15-Minuten-Krafttraining für Frauen in den Wechseljahren

Bei dir sitzt das hartnäckige Fett vor allem am Bauch? Hier erfährst du, was gegen Bauchfett in den Wechseljahren wirklich hilft.

4. Bewegung im Alltag

Hier wird es erfreulich unspektakulär.

Wir beeinflussen unseren Energieverbrauch nämlich nicht nur beim Sport.

Natürlich zählt auch die Bewegung, die über den ganzen Tag zusammenkommt.

Nach dem Mittagessen zehn oder fünfzehn Minuten spazieren gehen. Beim Telefonieren eine Runde laufen. Kleine Wege zu Fuß erledigen. Treppe statt Aufzug.

Nichts davon klingt nach einem strengen Abnehmprogramm.

Genau deshalb mag ich es.

Denn was nützt es, sich morgens um fünf für die tägliche Joggingrunde aus dem Bett zu quälen und nach einigen Wochen genervt das Handtuch zu werfen, weil wir die Messlatte viel zu hoch gelegt haben?

Ein kurzer Spaziergang passt dagegen erstaunlich oft noch ins Tagesprogramm.

Und manchmal ist genau das die bessere Strategie.

5. Schlechter Schlaf kann das Abnehmen sabotieren

Um 2:17 Uhr wach.

Decke runter.

Decke wieder drauf.

Fenster auf.

Fenster zu.

Um 4:36 Uhr wieder wach.

Und um sieben Uhr sollen wir dann bitte energiegeladen in den Tag starten.

Und wie soll Abnehmen funktionieren, wenn wir uns schon morgens wie gerädert fühlen?

Schlechter Schlaf ist während der Wechseljahre für viele Frauen ein echtes Thema. Und er macht uns nicht nur müde. Zu wenig Schlaf kann auch unser Hungergefühl verstärken und dazu führen, dass wir mehr essen.

Gleichzeitig haben wir nach einer miserablen Nacht meist wenig Lust auf Bewegung – dafür aber umso mehr auf Schokolade & Co.

Deshalb gehört Schlaf für mich genauso zum Thema Wohlfühlfigur wie Ernährung und Bewegung.

Und wenn Hitzewallungen, Nachtschweiß oder andere Wechseljahresbeschwerden dir regelmäßig die Nächte rauben, solltest du dir ärztlichen Rat holen.

Du musst dich damit nicht einfach abfinden.

6. Und was ist mit dem Glas Wein am Abend?

Jetzt wird es ungemütlich.

Alkohol liefert Kalorien, ohne uns nachhaltig zu sättigen.

Und aus dem einen Glas beim Kochen werden erstaunlich schnell zwei Gläser zum Essen.

Das heißt nicht, dass wir von jetzt an nie wieder mit einem Glas Wein auf der Terrasse sitzen dürfen.

Genuss gehört zum Leben.

Aber wenn das Gewicht seit Monaten stagniert, lohnt sich ein Blick darauf, wie häufig Alkohol tatsächlich auf dem Tisch steht.

Nicht moralisch.

Einfach rechnerisch.

Manchmal verstecken sich die Kalorien eben nicht auf dem Teller, sondern daneben.

7. Stress lässt sich nicht wegatmen – aber wir können anders damit umgehen

Stress gehört zum Leben.

Und ich werde dir sicher nicht erzählen, dass du täglich 15 Minuten meditieren solltest, damit das Bauchfett dahinschmilzt.

Trotzdem ist Stress beim Abnehmen relevant.

Denn wenn wir permanent unter Strom stehen, verändert sich häufig unser Verhalten.

Wir schlafen schlechter. Essen nebenbei. Haben weniger Lust, frisch zu kochen. Bewegen uns weniger. Und abends fühlen sich Chips oder Schokolade plötzlich nach einer dringend benötigten Belohnung an.

Deshalb lohnt sich die Frage:

Was bringt mich tatsächlich runter?

Vielleicht ein Spaziergang. Vielleicht ein Buch. Gartenarbeit. Musik. Oder schlicht eine halbe Stunde, in der niemand etwas von uns will.

Nicht als „Fettverbrennungstrick“.

Sondern weil es leichter ist, Entscheidungen zu treffen, die uns guttun, wenn wir nicht permanent auf Reserve laufen.

Beispiel für einen sättigenden Abnehm-Tag in den Wechseljahren

Jetzt haben wir über Eiweiß, Gemüse, Muskeln, Bewegung und Schlaf gesprochen.

Aber was landet morgen tatsächlich auf dem Teller?

Zum Beispiel so:

Frühstück: Skyr oder Quark mit Beeren, Haferflocken und ein paar Nüssen.

Mittagessen: Hähnchen, Tofu oder Fisch mit einer großen Portion Gemüse und Kartoffeln.

Nachmittags: Wenn du wirklich Hunger hast, ist beispielsweise ein geriebener Apfel mit Skyr oder Hüttenkäse eine gute Wahl. Wenn du möchtest, kannst du noch etwas Vanille-Proteinpulver unterrühren.

Abendessen: Vollkornbrot mit Ei und Hüttenkäse plus Tomaten, Gurke oder Paprika – oder eine warme Gemüsepfanne mit einer guten Eiweißquelle.

Dazu ausreichend trinken und irgendwo im Tag noch einen Spaziergang unterbringen.

Kein Detox.

Keine Lebensmittelverbote.

Keine magischen Uhrzeiten.

Einfach Mahlzeiten, die satt machen und sich auch an einem ganz normalen Wochentag umsetzen lassen.

Was du zum Abnehmen in den Wechseljahren nicht brauchst

Du brauchst keine 800-Kalorien-Diät.

Keine Saftkur.

Keine Kohlsuppendiät.

Keinen Stoffwechseltee für 39,90 Euro.

Und du musst Kohlenhydrate nach 18 Uhr auch nicht so behandeln, als seien sie hochgiftige Substanzen.

Du brauchst Essen, das schmeckt, ein moderates Kaloriendefizit ermöglicht, dich satt macht und deinem Körper ausreichend Eiweiß, Ballaststoffe und Nährstoffe liefert.

Dazu regelmäßiges Krafttraining und möglichst viel Bewegung im Alltag.

Vor allem aber brauchst du etwas, das du nicht drei Wochen durchhältst, sondern dauerhaft in dein Leben integrieren kannst.

Ab 40 geht es um mehr als eine Zahl auf der Waage

Vielleicht ist das sogar das Gute am Abnehmen ab 40.

Wir kennen diese Tyrannen inzwischen, die sich als Diäten tarnen.

Wir wissen, wie sich drei Tage Kohlsuppe anfühlen.

Wir wissen auch, dass uns fünf Kilo weniger auf der Waage wenig bringen, wenn wir ständig hungrig und schlecht gelaunt sind und uns der Anblick der Käsesahnetorte auf Nachbars Teller nervös macht.

Heute darf unser Ziel größer sein.

Wir wollen Körperfett verlieren, ohne zu hungern.

Aber wir wollen auch Muskeln behalten. Kraft haben. Gut schlafen. Uns gern bewegen. Essen genießen.

Und morgens unsere Lieblingsjeans aus dem Schrank holen und feststellen:

Verdammt. Die sitzt wieder richtig gut.

Das ist für mich Wohlfühlfigur.

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